Human Rights Watch: „Bolsonaro sabotiert Kampf gegen Corona!“

21.01.2021 - Lateinamerika Nachrichten

Human Rights Watch: „Bolsonaro sabotiert Kampf gegen Corona!“
(Bild von Palácio do Planalto via flickr CC BY 2.0)

In ihrem vor wenigen Tagen erschienenen Jahresbericht hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch das Verhalten des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie scharf kritisiert. Der Oberste Bundesgerichtshof, der Kongress und die Gouverneure hätten sehr wohl Maßnahmen ergriffen, um die Brasilianer*innen vor der Krankheit zu schützen, der Präsident hingegen habe alles getan, um „den Kampf gegen das Coronavirus im Land zu sabotieren“.

COVID-19, die „harmlose Grippe“

Der ultrarechte Politiker habe die Krankheit konsequent verharmlost und als ungefährliche Grippe bezeichnet. Er habe sich außerdem immer wieder geweigert, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und versucht, die Landesregierungen an der Umsetzung flächendeckender Maßnahmen zur Kontaktreduzierung zu hindern, die der Eindämmung des Virus dienen sollen, obwohl diese eigentlich nur durch staatliche Institutionen zurückgenommen werden könnten. Bolsonaro habe außerdem versucht, durch seinen Einfluss auf die Exekutive die Veröffentlichung von Informationen über das Coronavirus zu beschränken und auf direktem oder indirektem Wege gleich zwei Gesundheitsminister – Luiz Henrique Mandetta und Nelson Teich – in kurzer Folge entlassen, weil sie seine Haltung zur Pandemie nicht teilten.

Besonders gefährdet: indigene Bevölkerungsgruppen und Menschen in Gefängnissen

Außerdem habe er weder Maßnahmen ergriffen, um indigene Menschen vor Ansteckung zu bewahren, noch habe er sich darum gekümmert, wie die Menschen in den Gefängnissen geschützt werden könnten und damit zwei Bevölkerungsgruppen vernachlässigt, die am meisten durch das Virus gefährdet sind. Laut dem Bericht ist es für die indigenen Bevölkerungsgruppen besonders schwierig, auf Gesundheitsdienstleistungen zuzugreifen, somit seien sie „besonders anfällig für Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19“. Nach jüngsten Angaben des Verbands der indigenen Völker Brasiliens (Apib) sind seit Beginn der Pandemie 920 Indigene an COVID-19 gestorben; mehr als 45.000 wurden infiziert. Ferner merkt der Bericht kritisch an, dass die Ausbreitung des Virus in den Gefängnissen aufgrund der Überbelegung, der schlechten Belüftung und der unzureichende Gesundheitsversorgung geradezu vorprogrammiert sei.

Bolsonaro habe das Leben und die Gesundheit vieler Brasilianer*innen aufs Spiel gesetzt, erklärte Anna Livia Arida, HRW-Direktorin in Brasilien. Obwohl die Schutzmaßnahmen offiziell beschlossen worden seien, erfordere die Situation Wachsamkeit. Mit mehr als 204.000 Todesfällen und 8,1 Millionen Infizierten zählt Brasilien zu den weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern.

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Kategorien: Gesundheit, Indigene Völker, Politik, Südamerika
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