Chile: Um den Schmerz zu heilen

05.11.2020 - Redacción Chile

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Chile: Um den Schmerz zu heilen
(Bild von Claudia Aranda)

Jedes Dorf hat seine Kultur, seine Riten und eine gewisse Ästhetik, die oftmals auf ländliche, geschichtliche Wurzeln zurückgeht. Es existieren z.B. Bräuche, die es ermöglichen zu trauern, zu trösten und Schmerz zu überwinden.

Im Fall von Chile haben die Frauen seit der Kolonialzeit gestrickt. Sie haben sich gegenseitig begleitet, während sie unter sich über ihr Leid jammerten und sich anvertrauten, um den schlimmen Moment vergehen zu lassen. Dieser Volksbrauch hat eine lange Tradition, die Violeta Parra in Kunst umzuwandeln wusste. Einige ihrer gestrickten Sackleinen endeten sogar in Museen. Sicher ist, dass viele Witwen während der dunklen Jahre diesen steifen Stoff, diese einfache Ware, aus dem sie Säcke, die berühmten Sackleinen machten, nutzen, um das Verschwinden, die Verhaftung sowie die Ermordung ihrer Söhne, Ehemänner und Väter anzuprangern. Die mutigen Verwandten, die nicht aufgehört hatten, jene zu suchen, verstrickten mit hübschen, farbigen Fäden oder mit Wolle gleichzeitig auch ihren schrecklichen Schmerz.

Jetzt während der durch die Quarantäne bedingten Ausgangsperre und im Angesichts des Todes, der die an Coronavirus Erkrankten aus dem Leben gerissen hat, haben die Menschen in vielen Fällen nicht einmal die Kraft aufbringen können, die Kranken in ihren letzten Momenten zu begleiten oder gar deren Trauerfeier beizuwohnen. Um zu betrauern und um den Schmerz zu lindern suchten viele Frauen daher Rat und nahmen wieder die Nadel, den Fingerhut, die Schere und den farbigen Faden zur Hand. Nahtstich um Nahtstich schrieben sie die jeweiligen Namen auf, wer auch immer es gewesen ist und fügten manchmal eine Abbildung von deren Büro oder Arbeit, eine Blume, einen Vogel oder einen fliegenden Schmetterling an – unter Tränen, bis die Wunden wieder zugeheilt waren.

Über die sozialen Netzwerke haben sich die Frauen zusammengefunden, ausgetauscht, organisiert und heute schließlich vereint am Fuß des Santa Lucia Hügels im Zentrum von Santiago getroffen, um gemeinsam einen einzigen Stoff zu erstellen und um als Erinnerung an all die Namen, die nicht da waren, ein Andenken zu stricken.

Sie entschieden sich als Namen «Um den Schmerz zu heilen» zu wählen und formten eine Strickorganisation. Man kann sie hier auf Instagramm finden @pararemendareldolor oder unter der E-Mail bordadospararemendar@gmail.com kontaktieren.

Die folgende Fotoreportage ist von Claudia Aranda:

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Chris Hoellriegl vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Fotoreportagen, Kultur und Medien, Südamerika
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